Bad Aibling: Fahrdienstleiter löste Zugunglück aus

Symbolfoto: © Thorben Wengert | pixelio.de
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Am Dienstag teilte der leitende Oberstaatsanwaltschaft der Staatsanwaltschaft in Traunstein mit, dass das Zugunglück am vergangenen Faschingsdienstag auf menschliches Versagen zurückzuführen ist. Ein gravierendes Fehlverhalten des zuständigen Fahrdienstleiters ist nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft die Ursache für das Zugunglück in Bad Aibling, mit 11 Toten und 80 Verletzten. Gegen den 39-jährigen diensthabenden Fahrdienstleiter wurde ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet. Der Frontalzusammenstoß von zwei Meridian-Personenzügen auf der eingleisigen Strecke ist eines der schwersten Bahnunglücke, das sich jemals in Deutschland ereignete. „Es handelt sich um furchtbares Einzelversagen“, teilte ein zuständiger Oberstaatsanwalt mit. Wenn sich der Fahrdienstleiter ordnungsgemäß und pflichtgerecht verhalten hätte, wäre es nicht zum Frontalzusammenstoß der beiden Züge gekommen, so die Einschätzung der Staatsanwaltschaft.

Der Zusammenstoß der beiden Züge ereignete sich zwei Stunden nach Dienstbeginn des Fahrdienstleiters. Die Ermittler gehen davon aus, dass er den Zusammenstoß nicht absichtlich herbeiführte. Der 39-Jährige arbeitete 20 Jahre lang als Fahrdienstleiter und war vor dem Zusammenstoß der beiden Züge weder betrunken noch stand er unter dem Einfluss von Drogen oder Medikamenten. In Untersuchungshaft befindet sich der Fahrdienstleiter nicht. Bei einer Verurteilung droht ihm eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren.

Die bisherigen Ermittlungen ergaben, dass der Zug von Holzkirchen in Richtung Rosenheim etwa drei bis vier Minuten Verspätung hatte. Vor einer eingleisigen Strecke bekam er nach Angaben der Ermittler ein Sondersignal aus dem Stellwerk am Bahnhof von Bad Aibling. Dieses Sondersignal ermöglichte dem Zug die Einfahrt auf die eingleisige Strecke. Technische Vorkehrungen und Sicherheitsmaßnahmen sorgen dafür, dass immer nur ein Zug fahren kann. Durch das Ziehen des Sondersignals wurde diese Sicherheitsvorkehrung jedoch von Hand übergangen. Als der Fahrdienstleiter seinen Fehler bemerkte, hatte er sofort einen Notruf abgesetzt. Dieser Notruf kam jedoch nicht mehr an. Die Ermittler betonten, dass es kein Versagen von technischen Systemen gegeben hat. Am kommenden Samstag wird es eine Simulationsfahrt auf der betroffenen Strecke mit zwei Zügen geben. Davon erhoffen sich die Ermittler wertvolle Erkenntnisse. Der Unfall selbst wird nicht nachgestellt.