Tunesien: Regierung verhängt nächtliche Ausgehsperre

Symbolfoto: © Wikimedia Commons | wikipedia

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Die tunesische Regierung hat am Freitag eine Ausgehsperre verhängt. Von 20 Uhr abends bis fünf Uhr morgens hat die Ausgehsperre ab sofort Gültigkeit. In den vergangenen Tagen kam es landesweit in vielen Städten zu Demonstrationen und Protesten, teilweise auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Betroffen waren neben Kasserine unter anderem die Städte Douz, Tozeur, Mahdia, Enfidha, Kairouan, Sidi Bouzid, Gabès sowie einige Kommunen im Großraum Tunis. Bei den tagelangen Protesten in Tunesien kam ein Polizist ums Leben. Tunesien ist das Ursprungsland des Arabischen Frühlings. Die Regierung teilte mit, dass sie keinen Zauberstab beisitzt, um allen gleichzeitig einen Arbeitsplatz zu beschaffen. 15 Prozent der Bevölkerung Tunesiens sind arbeitslos. Besonders für junge Menschen ist die Jobsuche oft ein aussichtsloses Unterfangen. Es sind in diesen Tagen die schlimmsten sozialen Unruhen in Tunesien seit dem Ausbruch der arabischen Aufstände vor rund fünf Jahren.

Die zum Teil gewaltsamen Proteste gegen die schlechte wirtschaftliche Situation in Tunesien hatten sich in der Nacht zum Freitag auf mehrere Regionen des nordafrikanischen Landes ausgedehnt. Der tunesische Ministerpräsident erklärte am Freitag, dass die Lage noch unter Kontrolle sei. Am Freitag wurden aber auch zwei Banken in ärmeren Vierteln der Hauptstadt Tunis geplündert. Frankreichs Präsident Hollande kündigte bei einem Treffen mit dem tunesischen Regierungschef Essid eine Hilfszahlung in Höhe von über einer Milliarde Euro an. Die massiven Proteste brachten im Januar 2011 den damaligen Machthaber zum Sturz. Die Ausschreitungen erreichten auch andere Länder wie Ägypten, Libyen, Syrien, Bahrain und Jemen. Auslöser war ein 26-jähriger Gemüsehändler, der sich aus Verzweiflung über seine Lage, Ende 2010, selbst anzündete.

Das Auswärtige Amt in Berlin äußerte sich besorgt über die Lage in Tunesien und rief zu umsichtigen Verhalten auf. Reisenden wird empfohlen, sich über die aktuellen Reisehinweise und die Medien zur Lageentwicklung informiert zu halten.
Menschenansammlungen, auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen, sowie zum Beispiel im Rahmen der Freitagsgebete um die Moscheen, sollten gemieden und die Anweisungen der Sicherheitskräfte befolgt werden, teilte das Auswärtige Amt mit.