Kremlkritiker Nawalny wurde mit Nervenkampfstoff vergiftet – russischer Botschafter wurde einbestellt

Symbolfoto: © NicoLeHe | pixelio.de

Am Mittwoch teilte die Bundesregierung mit, dass der Kremlkritiker Nawalny mit einem Nervenkampfstoff vergiftet wurde. Regierungssprecher Seibert sagte am Mittwoch, dass der Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe bei ihm nachgewiesen wurde. Ein Spezial-Labor der Bundeswehr hat den zweifelsfreien Nachweis erbracht. „Es ist ein bestürzender Vorgang, dass Nawalny in Russland Opfer eines Angriffs mit einem chemischen Nervenkampfstoff geworden ist“, sagte Seibert. Mit demselben Nervengift wurde 2018 auch der russische Doppelspion Skripal vergiftet. Bundeskanzlerin Merkel fordert Russland auf, den Fall aufzuklären.

Nawalny wird zur Zeit in der Berliner Charité behandelt. Er wurde am 22. August mit Vergiftungserscheinungen aus Russland heraus nach Berlin geflogen (wir berichteten).

Das Auswärtige Amt hat den russischen Botschafter einbestellt und ihn aufgefordert die Hintergründe im Fall Nawalny vollständig aufzuklären. Der Botschafter warnte die Bundesregierung vor einer Politisierung des Falls Nawalny.

Über den Nervenkampfstoff Nowitschok sind nur wenige Details bekannt. Der Stoff besteht aus zwei ungiftigen Komponenten, die erst beim Mischen ihre tödliche Gefahr entfalten. Es ist ein Relikt aus dem Kalten Krieg.

Großbritannien meldete sich am Mittwoch ebenfalls zu Wort. Premierminister Boris Johnson forderte eine Erklärung von Russland. Johnson teilte mit, dass es ungeheuerlich ei, dass eine chemische Waffe gegen Nawalny eingesetzt wurde. In Großbritannien wurden 2018 der russische Doppelspion Skripal und seine Tochter Julia in Salisbury mit Nowitschok vergiftet. Beide überlebten nur knapp. Die US-Regierung äußerte sich angesichts der Vergiftung von Nawalny ebenfalls beunruhigt.

Nato-Generalsekretär Stoltenberg teilte mit, dass er mit Deutschland und allen weiteren Mitgliedern über eine angemessene Reaktion beraten wird. Die Bundesregierung kündigte außerdem an mit der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) Kontakt aufzunehmen. Die Nato sieht jeden Einsatz von chemischen Waffen als eine Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit an.

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