Missbrauchsfälle in Lügde: Beweise verschwunden – leitender Ermittler wurde suspendiert

Symbolfoto: © Thorben Wengert | pixelio.de

Ein leitender Kriminalbeamter der Polizeibehörde in Lippe ist vom Landrat am Freitag von seinen Aufgaben entbunden worden. Der Landrat des Kreises Lippe entschuldigte sich bei den Betroffenen des Missbrauchsfalls für die Ermittlungspannen. In der Behörde waren zuvor zahlreiche Beweismittel zu den Missbrauchsfällen auf dem Campingplatz in Lügde verschwunden. Es handelt sich um insgesamt 155 Datenträger mit möglichem Beweismaterial im Fall des massenhaften sexuellen Missbrauchs auf dem Campingplatz. Ein Polizeianwärter war mit der Sichtung des Beweismaterials beauftragt worden. Der Landrat sagte, dass es nicht normal sein kann, dass ein Auszubildender eine solche Aufgabe übernimmt.

Auf dem Campingplatz im nordhrein westfälischen Lügde wurden seit 2008 mindestens 31 Kinder in Alter von 4 bis 13 Jahren in mehr als 1.000 Fällen zu Opfern. Die Täter missbrauchten die Kinder unter anderem für Pornodrehs, teilten die Ermittler mit. Hauptverdächtig sind drei Personen, die sich in Untersuchungshaft befinden. Auf den gesicherten Beweismitteln hatte die Polizei insgesamt 14 Terabyte Daten sichergestellt. Gegen eine weitere Person wird wegen des Verdachts der Datenlöschung ermittelt.

Um die verschwundenen Beweismittel wieder zu beschaffen wurden Sonderermittler eingesetzt. Diese sollen den Verbleib der 155 Datenträger klären. Die Datenträger, die sich in einem Alukoffer befanden, wurden zuletzt am 20. Dezember 2018 gesehen. Diese befanden sich in geschlossenen Polizeiräumen. Die Staatsanwaltschaft geht nicht von Diebstahl, sondern von Schlamperei aus.

Bei der Auswertung der Datenträger wurden außerdem schwere handwerkliche Fehler gemacht. So ist beispielsweise keine Sicherungskopie der Daten erstellt worden.

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