Flüchtlingskrise: Österreich verstärkt seine Grenzkontrollen nochmals

Symbolfoto: © nafas  | pixelio.de

Symbolfoto: © nafas | pixelio.de

Österreich hat am Dienstag seine Kontrollen an der Südgrenze deutlich verstärkt. Insgesamt sollen zwölf Grenzübergänge streng kontrolliert werden. Dazu gehört auch der Brenner, der zu den wichtigsten Übergängen in Italien zählt. Das Vorbild ist die Grenzanlage in Spielfeld. Dort befinden sich Container, mobile Absperrgitter und ein rund vier Kilometer fest installierter Zaun. Dieser Zaun hat Österreich zehn Millionen Euro gekostet und ist nach wie vor lückenhaft, weil sich die Anwohner dagegen wehren, dass der Zaun durch ihr Grundstück gezogen werden soll. Mit Hilfe der drastisch verstärkten Grenzkontrollen in Österreich soll die Einreise von Flüchtlingen eingeschränkt werden. Das Land plant auch den Neubau von weiteren Zaunanlagen. Der österreichische Vizekanzler sprach am Dienstag von einem Signal für die Beendigung der Willkommenskultur und für die Abschottung. Zuvor war der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann monatelang ein eng Verbündeter von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zur Zeit rückt Faymann immer mehr in die Richtung der osteuropäischen Staaten Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei, die für eine Schließung der Balkanroute propagieren.

Momentan liegt die aktuelle Zahl der Flüchtlinge, die über die Türkei und Griechenland in Richtung Europa gelangen wollen, bei höchstens 1.000 Schutzsuchenden pro Tag. Das liegt unter anderem daran, dass die Türkei ihre Grenze zu Syrien geschlossen hat und am Winterwetter. Ein weiterer Grund ist der Bau des Grenzzauns in Mazedonien. Schon jetzt wird die mazedonische Grenze täglich für mehrere Stunden gesperrt. Das UN-Flüchtlingshifswerk UNHCR geht davon aus, dass die Zahl der Schutzsuchenden im Frühjahr wider ansteigen wird.

Österreich: 50 Flüchtlinge sind in einem ungarischen LKW erstickt

Symbolfoto: © Paul-Georg Meister | pixelio.de

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In Österreich wurden am Donnerstagnachmittag um 14.40 Uhr in einem Lastwagen bis zu 50 Leichen entdeckt. Wie viele es genau sind, ist noch unklar. Bei den Toten handelt es sich um Flüchtlinge. Die Polizei teilte am Donnerstagabend mit, dass die Flüchtlinge ofenbar bereits vor eineinhalb bis zwei Tagen ums Leben kamen. Die Leichen wurden in einem Kühllaster entdeckt, der im Burgenland auf einem Pannenstreifen der Autobahn 4, südlich von Wien, abgestellt war. In der Nähe des Fundorts liegen Neusiedl und Parndorf. Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen 7,5 Tonnen schweren LKW mit entsprechend großer Ladefläche, so die Polizei. Die Flüchtlinge sind offenbar erstickt. Ein Krisenstab wurde eingerichtet. Der LKW hatte Aufdrucke einer slowakischen Logistik-Firma. Dessen Marketingleiter meldete sich zu Wort und sagte, dass sein Unternehmen nichts mit den toten Flüchtlingen zu tun habe. Alle Lastwagen des Unternehmens seien mit GPS ausgestattet und befinden sich zur Zeit in der Slowakei, teilte das Unternehmen mit.

Der betroffene LKW soll 2014 zusammen mit weiteren Fahrzeugen an Privatfirmen verkauft worden sein. Der neue Besitzer hatte den LKW weiter an eine ungarische Firma verkauft. Die polizeilichen Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Aus ermittlungstaktischen Gründen hat die Polizei zu dem Fahrer des Lastwagens zunächst keine Angaben gemacht. Eine Spur führt die Beamten in die Slowakei. Dort gibt es Hinweise darauf, dass ein Firmennetzwerk möglicherweise zum Schleusen von Flüchtlingen benutzt wird. Der LKW wurde aufgrund der besseren Kühlverhältnisse zu einer Veterinärdienststelle gebracht. Dort gibt es bessere Kühlmöglichkeiten. Aus dem Lastwagen tropfte bereits Verwesungsflüssigkeit. Die Polizei war mit der Situation überfordert. Da so schnell nicht genügend Kühlmöglichkeiten zu organisieren waren, können die Leichen erst am Freitag zur Gerichtsmedizin überführt werden.

Kurz bevor die Meldung bekannt wurde, hatte der österreichische Bundeskanzler zu einem verstärkten Kampf gegen Schlepperbanden aufgerufen. Die Polizei war am Donnerstag lange Zeit mit der Bergung der Leichen und den Ermittlungsarbeiten beschäftigt. Die Innenministerin von Österreich kündigte an stärker gegen Schlepper vorzugehen. Zahlreiche Hilfsorganisationen forderten mehr legale Wege nach Europa.