Türkei lässt deutschen Schriftsteller in Spanien verhaften

Symbolfoto: © Rike | pixelio.de

Die spanische Polizei hat den 60-jährigen türkischstämmigen Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli in Granada auf Antrag der türkischen Regierung im Urlaub in Spanien verhaften lassen. Gegen den deutschen Buchautor lag ein Dringlichkeitsvermerk bei der internationalen Polizeibehörde Interpol vor. Was ihm von der Türkei vorgeworfen wird ist noch unklar. Akhanlis neuestes Werk geht um den Völkermord in Armenien. Das Auswärtige Amt bat die spanischen Behörden den Schriftsteller nicht in die Türkei auszuliefern. Dieser Wunsch wurde am Samstag „hochrangig“ an die Botschaft überreicht.

Akhanli war 1991 aus der Türkei nach Deutschland geflüchtet und hat ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. SPD-, Grünen- und Linkenpolitiker reagierten empört auf die Festnahme und forderten die sofortige Freilassung. Grünen-Chef Cem Özdemir teilte mit, dass Gegner des türkischen Regimes nicht ungeprüft als Kriminelle in Europa verhaftet werden dürfen. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bezeichnete die Festnahme als „ungeheuerlichen Vorgang“ und kritisierte in diesem Zusammenhang den türkischen Staatschef Erdogan persönlich. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck stellte die Frage, ob die Bundesregierung oder das Bundeskriminalamt (BKA) im Vorfeld etwas von der Notiz bei Interpol wusste.

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Roger Willemsen ist tot –– er wurde nur 60 Jahre alt

Symbolfoto: ©blu-news.org | wikipedia

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Der deutsche Publizist und frühere Fernsehmoderator Roger Willemsen ist tot. Sein Verlag sowie sein Büro in Hamburg bestätigten den Tod. Willemsen verstarb am Sonntag im Alter von nur 60 Jahren an Krebs in seinem Haus in Wentorf bei Hamburg. Die Krebsdiagnose hatte er erst am 15. August 2015 erhalten. Anschließend zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Auch im Fernsehen machte er Karriere: Willemsen begann 1991 beim Bezahlsender Premiere. Er moderierte mehr als 600 Ausgaben der Interviewreihe 0137, benannt nach der Telefonvorwahl, unter der sich Zuschauer an der Live-Sendung beteiligen konnten. Das Themenspektrum des Magazins reichte von Politik bis Boulevard. Er führte Gespräche unter anderem mit der Schauspielerin Audrey Hepburn, mit Gefangenen aus der Rote-Armee-Fraktion, Jassir Arafat, einem Kannibalen und einem entflohenen Bankräuber. Selbst die Vergewaltigung eines jungen Mannes durch dessen Mutter war für Willemsen kein Tabuthema.

1992 wurde er mit dem Bayerischen Fernsehpreis und 1993 mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet. Damit wurde sein hohes Einfühlungsvermögen und Engagement gewürdigt. Nach seinem Wechsel zum ZDF moderierte er zwischen 1994 und 1998 die Sendung „ Willemsens Woche“. Die FAZ beurteilte sein Format als „Muster für intelligente, wenn nicht gar intellektuelle Unterhaltung“.

Zuletzt landete Willemsen mit seinem 2014 erschienenen Buch „Das Hohe Haus“ einen Bestseller. Ein Jahr lang saß Roger Willemsen dafür im Deutschen Bundestag – nicht als Abgeordneter, sondern als ganz normaler Zuhörer auf der Besuchertribüne im Berliner Reichstag.
Zuvor gelang ihm mit seinem 2010 erschienen Buch „Die Enden der Welt“ ein Bestseller.

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