Klinikum Delmenhorst: Krankenhaus-Mordserie – Hinweise auf zahlreiche weitere Fälle

Symbolfoto: © NicoLeHe | pixelio.de

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Ein Pfleger am Klinikum in Delmenhorst wurde zum Mörder. Statt als Krankenpfleger Leben zu retten wurde Niels H. zum Mörder. Er spritzte Patienten heimlich eine Überdosis eines Herzmedikaments. Wenn diese anschließend einen Kreislaufkollaps erlitten, belebte er sie wieder – einfach nur, weil er einen Kick im Krankenhaus-Alltag gesucht hat. Viele Patienten überlebten das tödliche Spiel nicht. Vor einem Jahr wurde der 39-jährige Niels H. wegen fünf solcher Taten am Klinikum Delmenhorst zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Niels H. begründete seine Taten vor Gericht damit, dass ihn der klinische Alltag unterforderte. Immer wenn er jemanden reanimieren konnte, fühlte er sich wie ein Held und war zufrieden mit sich. Das sei für ihn wie eine Art Sucht gewesen, sagte er damals vor Gericht aus. Doch wie sich jetzt herausstellte ist der Fall mit der Verurteilung offenbar noch gar nicht abgeschlossen. Niels H. sprach vor Gericht bereits von rund 90 Opfern, denen er eine Überdosis des Herzmedikaments verabreichte. Am Montag wurde bekannt, dass der 39-Jährige für eine der größten Mordserien an deutschen Krankenhäusern verantwortlich sein soll. Eine Sonderkommission der Polizei überprüft insgesamt 200 Verdachtsfälle an früheren Arbeitsstellen des Krankenpflegers. Der Täter wird sich erneut vor Gericht verantworten müssen, das ist schon sicher. Die Ermittler gruben in den vergangenen Monaten die Leichen von Patienten des Delmenhorster Klinikums aus. Die Untersuchungen von Gerichtsmedizinern ergaben, dass bei 21 von ihnen Spuren des todbringenden Herzmedikaments gefunden wurden. Die Exhumierungen werden die beamten noch monatelang beschäftigen. Wie viele Menschen Niels H. genau getötet hat wird die Polizei nicht mehr klären können, denn viele der Patienten sind nach ihrem Tod eingeäschert worden. Daher ist ein Nachweis des Herzmedikaments unmöglich.

Im Sommer 2005 wurde Niels H. von einer Kollegin auf frischer Tat ertappt. Kollegen des Täters berichteten hinterher, dass es zu auffällig vielen Wiederbelebungen in den Schichten von Niels H. gekommen sei. Der Verbrauch des Herzmedikaments stieg in der Zeit sprunghaft an und die Todesrate verdoppelte sich. Konsequenzen hatte es zunächst keine gegeben. Gegen acht seiner früheren Krankenhaus-Kollegen wird ebenfalls ermittelt.